Bewertung 5/6 Pommesgabeln
Genre Sleaze Metal
Label AFM Records
Releasedatum 23. März 2012
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Kissin' Dynamite - Money, Sex & Power

1. Oktober 2012, 00:25 - afm, kissin-dynamite, review - geposted von DocDesastro

Werte Schergen, ich habe mein Labor verlassen, um Euch heute ein Album vorzustellen, das meinen Schreibtisch erreichte. Es handelt sich um das neue Album der Sleaze-Metal Band Kissin' Dynamite mit dem prachtvollen Namen Money, Sex & Power. Diese fanfreundliche Band aus dem Schwabenland macht seit 2006 Deutschland unsicher und erfreut sich mittlerweile einiger Beliebtheit in der Szene. Bei unserem Partnerlabel AFM gelistet (Danke für die Scheibe, Folks!) verbreitet die Band stilistisch betrachtet eine Mischung aus (Neo-)klassischem Heavy Metal mit Sleaze-Einflüssen. Was soll das sein, fragt Ihr? Nun, Sleaze bedeutet wörtlich: "schäbig" und bezieht sich hier auf ein Auftreten oder Attitüde. Am besten kann man es umschreiben mit "billig, rebellisch, unangepasst und mit wirrem Haar versehen". Würde Tarantino Musik machen, würde man ihn wahrscheinlich auch darunter listen. Aber ich schweife ab und zurück zu Money, Sex & Power. Es ist mittlerweile die 3. Scheibe der Band, nach den Alben Addicted To Metal aus dem Jahre 2010 und dem Debüt Steel Of Swabia von 2008. Die Band selber bereits über 500 Live-Auftritte absolviert und sogar im TV konnte man sie schon bestaunen; echte Arbeitstiere. Es erwartet uns also Qualität made in Germany. So kann ich Euch nun stolz einen Tag nach dem offiziellen VÖ (23.3.12) der Scheibe etwas näheres dazu erzählen.

Wer noch nie etwas von Kissin' Dynamite gehört hat und diese Combo erst einmal mal probehören will, ist mit deren Homepage wahrscheinlich am besten beraten. Dort befindet sich ein geschickt platzierter mp3-Player in der Ecke rechts oben. Schaut rein - es lohnt sich! Die Seite sieht sehr ansprechend aus. Biographie und News rund um die Band finden sich auch dort.


Review:

Es geht also um Geld, Sex und Macht in der Scheibe. Eine beliebte Trinität bei der unsere Protagonisten sicherlich nicht die ersten sind, die darüber singen. Bevor wir jetzt jedoch alle "laaaangweilig!" brüllen, werfen wir doch mal Hamster und Tretmühle an und lauschen der CD.

Den Anfang macht der Song Money, Sex & Power, nachdem das ganze Album auch benannt ist.
Schon nach den ersten Tönen kann man an der Verzerrung der Gitarren merken, dass es den Jungs ernst ist, (Neo-)klassischen Metal aufs Parkett zu legen. Man fühlt sich sofort ein paar Jährchen jünger. Und schon haucht uns eine laszive Frauenstimme ein "Bunga-Bunga" in die Ohren. Sollten dies etwa Seitenhiebe in Richtung nicht näher erwähnten Ex-Politikern von Weltformat sein? Ein Schelm, der Böses denken mag. Dieser Track ist ziemlich geradlinig. Der Sänger singt davon, willentlich sich dem Mammon und den damit verbundenen Begleiteffekten (Sex, mehr Sex und...Autos) hinzugeben, wohl wissend, dass dies nicht für ewig ist. Der Refrain ist sehr eingängig und nach ein, zweimal hinhören hat man den Refrain gut drauf und kann schon mitsingen. Schöner Opener.

Weiter geht es mit I will be King. Ein eingängiger Riff begrüßt uns. Mitreissend, aber nicht zu kompliziert. Und so könnte man auch den gesamten Track bezeichnen. Die Unkompliziertheit zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Lied. Durchaus hörbar, der Text stellt keine grossartigen intellektuellen Herausforderungen dar. Einfach ideal, um es sich mit einem Glas Bier irgendwo gemütlich zu machen oder als Begleitmusik zur Fahrt auf der Autobahn. Ein schönes Gitarrensolo rundet das ganze ab. Wer Nietzsche oder Kant musikalisch erwartet hat, ist hier definitiv falsch.

Operation Supernova beginnt da etwas gewichtiger. Die Riffs sind hypnotisch und bleischwer. Wo der vorhergehende Song eine gewisse Leichtigkeit versprühte, zieht uns dieses Lied in etwas nachdenklichere Gefilde - möchte man meinen oder? Die Welt geht halt unter, aber wir feiern bis zum Schluss! Hauptsache, wir haben den Tag genutzt. Nette Botschaft, muss ich sagen. Auch hier rundet ein hübsches Solo das ganze Paket ab. Zum Schluß bekommen wir noch die Gelegenheit, sich dem Choral anzuschließen und "Ohhhh-hoo" mitzugröhlen. Der Song macht sich bestimmt live sehr gut.

Den nächsten Song könnte man als Phallus unter den Songs auf dieser Scheibe bezeichnen. Sex Is War ist quasi eine Ode an den Geschlechtsverkehr. Ein recht enthusiastisches Männchen besingt mit Analogien aus der Sprengstoffkunde das, was er mit seiner Abgebeteten zu tun gedenkt. Ob Sex nun Krieg ist, sei mal dahingestellt, aber ich denke, dieser Song sollte augenzwinkernd aufzufassen sein. Das Solo fällt hier länger aus, ist aber wirklich sehr schön anzuhören. Ich würde diesen Song zwar nicht beim Sex einschalten, sonst artet das wahrscheinlich WIRKLICH in Krieg aus, aber...hmm...nun weiss ich, wie die auf den Titel kamen.

Club 27 rührt kräftig im Pathos und besingt die Vorteile, mit 27 auf der Blüte der Karriere das Zeitliche zu segnen. Ein echter guter-Laune Track. Erinnert mich ein wenig an die Bands Helloween oder Axxis. Dieser Song solltet ihr mal anspielen, wenn ihr das Album in den Händen haltet. Oder wünscht ihn Euch bei mir, wenn ich meine Show mache. Zuletzt noch ein tolles Wortspiel, Jimi, beam me up. Da kommen einem die tollsten Gedanken zu: Scottie mit Afro-Matte oder Jimi Hendrix im Transporterraum..oder einige leere Flaschen eines wohl bekannten Kornbrandes, braunlicher Farbe.

Mit Dinosaurs Are Still Alive setzt die Band der "guten alten Zeit" musikalisch, wie auch lyrisch ein Denkmal. Es geht bleischwer los und Töne aus der Steinzeit lassen uns aufhorchen, ob da nicht ein T-Rex irgendwo rumrennt (Tusch). Der Text strotzt nur so von Anspielungen auf Bands, die von den meisten hier wohl als Legenden bezeichnet werden. So gibt es im Lied "Paradise Cities" (Guns 'n' Roses), "Attics with Toys" (Toys in the Attic - Aerosmith), "Fear of the Dark" (Iron Maiden) sowie "killed pains" (Painkiller - Judas Priest) und das ganze auch noch "fast as a shark" (Accept). Der Text hat mich amüsiert, muss ich sagen.

Beschwingt setzen wir mit dem Song She's a Killer fort. Energetisch, dreckig und eingehend präsentiert die Band hier ein wohlklingendes Gesamtwerk. Die Verzerrer werden hier kreativ eingesetzt, ein tolles Solo rundet was ganze ab. Man merkt, die Band ist definitiv ein eingespieltes Team. Gut, ich höre privat auch gerne Axxis, daher gefällt mir dieser Song besonders gut. Es wäre definitiv etwas, was ich mir auf einen Sampler für mich selber packen würde.
Die 3:50 Minuten vergehen da wie im Flug. In meinen Augen ein Highlight auf der bislang gut hörbaren Scheibe.

Sleaze Deluxe - so heisst der nächste Track. Leicht hymnischer Character und eine gute Portion Selbstbeweihräucherung. Sowas darf auf keinen Fall fehlen, wenn man ein gewisses Image zu vertreten hat. Nämlich laut, rebellisch und selbstbewusst. Am Song selber gibt es nichts zu meckern, der ist solide produziert.

Bei Ego-Shooter wippen vom ersten Moment an die Füsse. Schnell, energisch und auch technisch versiert kommt das Lied daher. Eine gute Gelegenheit für die Gitarren, mal zu zeigen, was sie können.
Up-Tempo, mitreissend und heavy - so könnte man den Song am ehesten umschreiben. Auch eher eines der Stücke, die ich mir öfters anhören würde.

Der nächste und letzte Song ist eine...Ballade und heißt Six Feet Under! Wer hätte es gedacht, ein Akustik-Track mit tragendem Klang und melancholischem Text. Wobei - der Sänger scheint in seinem Grab recht glücklich zu sein. Wenn man den Text vor Augen hat, kann man sich bildlich einen Grabstein vorstellen, bei welchem aus der Erde fröhliche Musik ertönt und am Grabkreuz ein Aufhänger für den Zimmerservice hängt, mit der Aufforderung, die Hausbar neu zu bestücken. Ein würdiger Abschluß für das Album.


Tracks:

Hier noch einmal die Tracklist:

  1. Money, Sex & Power - 4:36
  2. I Will Be King - 4:09
  3. Operation Supernova - 3:49
  4. Sex Is War - 3:49
  5. Club 27 - 4:32
  6. Dinosaurs Are Still Alive - 4:06
  7. She's A Killer - 3:48
  8. Sleaze Deluxe - 3:06
  9. Ego-Shooter - 3:59
  10. Six Feet Under - 3:45
  11. My Name Is Hannibal (nur auf der limited Edition)

Line-Up:

Steffen - Bass
Jim - Lead-Gitarre
Hannes - Vocals
Ande - Gitarre
Andi - Schlagzeug


Fazit:

Tja, was soll ich dazu sagen? Ich habe Hoffnung, liebe Schergen. Hoffnung für die deutsche Hard'n'Heavy Szene. Diese Band hat mir wirklich den Frühlingsanfang versüßt. Die Scheibe ist sauber produziert, hat zwei bis drei Tracks, die definitiv "Best Of" Charakter haben. Das Artwork sieht ansprechend aus und es gibt die CD sowohl in der Standard-Fassung, als limitieres Digipak oder, man höre und Staune: als Pokerkoffer! (Habe bei amazon 5 solcher Teile noch gesehen - für 35€ bekommt Ihr nen Pokerkoffer mit Chips, welche zum Teil die Band zeigen und die limitierte Scheibe obendrauf!). Nette Idee, finde ich. Fairerweise muss man sagen, dass die CD nicht an die legendärsten Alben des Genres heranreicht, aber sie kann sich mit den erfolgreichen Vertretern gut messen. Diese Band wird noch einiges von sich hören lassen und man wird sie in Deutschland in einem Atemzug mit Axxis, Helloween oder Edguy nennen - merkt Euch meine Worte!
Mein Herz würde gerne 6 Pommesgabeln vergeben, aber ich muss da objektiv bleiben. Es gibt halt noch genug da drüber, was besser ist. Daher...

... gibt es auf jeden Fall 5 von 6 Pommesgabeln!

und ich wünsche mir, in Zukunft mehr von denen zu hören und dass Ihr Euch fleißig deren Song bei mir in der Show wünscht.