Bewertung 5/6 Pommesgabeln
Genre Hard Rock / Metal
Label Sonic Revolution
Releasedatum 15. November 2013
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Doc hört: Lion Twin - Nashville

25. Mai 2014, 17:34 - review, fastball-music, lion-twin, sonic-revolution - geposted von DocDesastro

Lion Twin...auf diese Band aus Wuppertal wurde ich im Rahmen meiner Redaktionsarbeit bezüglich Axxis aufmerksam. Hierbei handelt es sich um eine recht neue Band. Sie wurde 2011 in Wuppertal gegründet und besingt in ihren Texten meist Probleme und Krisen des aktuellen Zeitgeschehens. Stilistisch vereinigen sie sowohl Pop-Rock im Geiste der 80 Jahre mit geradlinigem Heavy Metal. Die Band um Frontfrau Liane "Li" Vollmer-Sturm setzt sich außerdem aktiv für Tierschutz, Umweltschutz und Menschenrechte ein. Auf ihrer vorzüglichen Homepage könnt Ihr mehr dazu erfahren. Dort oder auf YouTube könnt Ihr auch in den Song Day of Anger reinhören, den die Band mit Udo Dirkschneider (U.D.O.) zusammen aufnahm.

Momentan ist die Gruppe beim Label Sonic Revolution / Fastball unter Vertrag.


Review:

Hören wir also mal rein. Prinzipiell sagt mir die Musikrichtung schon mal sehr zu. Ich mag die 80er und geradlinigen, melodischen Metal. Wollen wir also mal sehen, ob sich da meine Vorstellungen angenehm erfüllen werden.

Track 1: Ready to Rock
Der Song läuft noch keine zwei Sekunden, da merkt man, dass man musikalisch in die 80er versetzt wird. Rhythmus, Riffing und Abmischung liegen da genau auf der Welle. Es klingt tatsächlich nach Vintage 80ern mit all dem Glam, der einfach dazugehört. Ich glaube, einer meiner Stammhörer wird sich mit Sicherheit darüber freuen, wenn ich diesen Song in meiner Show spiele. Er wünscht meist Lieder wie "We came here to rock" von Saxon, also genau im selben Geiste. Und in der Tat, wenn man jenen Song querhört, stellt man fest, das passt gut zusammen, was wir da hören. Irgendwie sehne ich mich nun nach einer 50cm langer Haarmähne und pinker Leuchtreklame...seltsam. Fulminanter Auftakt, tolles Lied.

Track 2: Day of Anger (feat. Udo Dirkschneider)
Etwas metallischer geht es weiter. Ohne dem Genre fremdzugehen rocken sich Lion Twin durch meine Ohren. Flott und energetisch spült die Melodie durch meine Gehörgänge, der Fuß tippt auf dem Boden und der Kopf wippt mit. Und dann ertönt auch die Stimme des deutschen Urgesteins U.D.O. und heraus kommt ein gelungenes Duett. Ein hübsches Solo gibt es noch als Zugabe obendrauf. Tja, damit ist das ein rundes Paket geworden. Dieser Song weiß auch zu begeistern. Wer sich mit dem Inhalt auseinander setzt, wird feststellen, dass der Text vom arabischen Frühling in Ägypten handelt, vom Aufstand der Massen gegen ein repressives Regime.

Track 3: When the Lights go on
Tja, wenn das Licht angeht, dann ist Showtime, oder? Zumindest der Auftakt lässt zunächst eine Ballade oder zumindest eine Halbballade erwartet. Klavierklänge folgen und ja, nun wird es romantisch. Li versteht es, mit ihrer Stimme zu verzaubern, wie einst Lee Aaron. Der Song ist sehr angenehm zu hören und taugt für besinnliche Stunden. Inhaltlich besingt die Sängerin ihren musikalischen Neuanfang und dem Willen, ihrer Vision von Rock and Roll zu folgen.

Track 4: Tristan & Isolde
Klassisch eröffnet der Text, passend zum klassischen Titel. Kurz darauf rockt es munter aus den Lautsprechern. Interessante Tempowechsel und auch Soli lassen diesen Track nicht langweilig werden. Auch inhaltlich hält sich die Band eng an das Thema. Klingt jedenfalls angenehm, wenn auch ein wenig blass im Vergleich zu den ersten beiden Tracks. Aber ein Album kann ja auch nicht nur aus Top-Knallern bestehen, oder? Bislang habe ich nur Sachen gehört, die ich guten Gewissens auflegen würde, um mein Publikum zu unterhalten.

Track 5: Eco Warrior
Martialisch gibt sich der Song vom ersten Akkord an. Besungen wir hier die australische Gruppierung Eco Warriors, die im Jahr 1990 ein ökologisch wertvolles
Gebiet am Timbarsa Plateau schützte. Eine musikalische Hommage an die jungen Menschen, die sich dem Kampf um die Natur verschrieben haben. Musikalisch ist der Song einwandfrei.

Track 6: Far Away
Dieser Song besingt das Heimweh nach Irland und beginnt mit folkigen Elementen, bevor es rockig weitergeht. Definitiv ein Song, den man gerne im Auto auflegen würde, während einem der Wind durch die Haare weht. Wenn ich jetzt den Text interpretiere, dann könnte man auf die Idee kommen, dass der Verfasser des Liedes in Irland geboren wurde und die Insel um 1970 im Rahmen der Unruhen in Nordirland verlassen hat. Ohne detaillierte Infos bleiben jedoch nur Mutmaßungen. Keyboards und Background-Vocals verleihen dem Song Sehnsucht und irgendwie etwas sphärisches.

Track 7: Behold the Man
Im nächsten Song wird es kirchenkritisch. Zwei Jahrtausende katholische Kirche stehen hier auf der musikalischen Anklagebank. Fulminant geht es mit Orgeln los und der Song entwickelt sich in eine Halbballade. Interessant ist, dass die Anklage leise vorgetragen wird. Man hätte sich als Sängerin auch richtig den Frust über Hexenverbrennungen, Kindesmisshandlung und Kreuzzüge herausbrüllen können, aber wie heißt es so schön: Das leise Wort ist das weise Wort. Gott schuf den Glauben, der Mensch schuf daraufhin die Kirche und tötete Gott. Lyrisch vorzüglich und auch so zu betrachten. Kein Song für die Party, sondern ein kontemplatives Stück, stilvoll mit dem musikalischen Gewand der 80er versehen.

Track 8: Occupy!
Hier wird das Thema der Occupy-Bewegung aufgegriffen. Wir erinnern uns an die Proteste vor der Wall Street. Musikalisch lädt der Song zum Mitwippen ein. Definitiv werde ich den mal in meiner Show spielen. Der Refrain ist leicht zu erschließen und einprägsam. Ein gut gemachtes Lied!

Track 9: Notung
Das Schwert Siegfrieds stand Pate für den Namen des Songs. Der Text ist interessant zu lesen und weckt Fragen und Interpretationsmöglichkeiten auf. Zum einen singt die Band über Notung, dass man dieses Schwert nicht brauche in der Welt. Stellvertretend für Schwerter und Waffen im allgemeinen kann man interpretieren, dass Waffen per se nicht in diese Welt gehören oder zu ihr passen. Der Verweis auf 60 Millionen Tote und zahllose Juden, die ihr Leben ließen, lässt auch die Interpretation zu, dass hiermit die Nazis gemeint sind, die mit ihrer Faszination für die nordische Sagenwelt hiermit die musikalische rote Karte erhalten. Ich denke nicht, dass gemeint ist, dass die Band einfach nur die Musik von Richard Wagner nicht mag. Musikalisch ist der Track nicht so interessant wie sein Text, der mich wirklich zum Nachdenken und rätseln brachte.

Track 10: Wings of Love
Der Track beschließt das bisher toll gelungene Album mit einer Ballade, oder besser: einer musikalischen Liebeserklärung. Sollte ich das Glück haben, die Band mal zu interviewen, dann werde ich definitiv nachfragen, wer da gemeint war. So lassen wir die CD mit einem wundervollen Stück ausklingen.


Tracks:

  1. Ready to Rock [5:16]
  2. Day of Anger [4:48]
  3. When the Lights go on [5:49]
  4. Tristan & Isolde [5:10]
  5. Eco Warrior [6:06]
  6. Far Away [6:33]
  7. Behold the Man [6:40]
  8. Occupy! [6:14]
  9. Notung [6:05]
  10. Wings of Love [5:17]

Gesamtspielzeit: 57:58


Line-Up:

  • Liane 'Li' Vollmer-Sturm (Gesang)
  • Jan Kömmet (Gitarre, Keyboards)
  • Armin Alic (Bass)
  • Johannes Glashagen (Schlagzeug)
  • Ralf Kappmeier (Keyboards)

Fazit:

Ich muss nach knapp einer Stunde Musikgenuss nun endlich zu einer Wertung kommen. Das Debütalbum ist vielschichtig und vereinigt sozialkritische Texte mit profundem musikalischen Handwerkszeug. Die Band zeigt, dass sie durchaus viele Gesichter hat und auch in der Lage ist, Songs mit Hitpotenzial zu schreiben. Die CD wird auch nach dem ersten Hören nicht langweilig und ich bin angenehm überrascht, dass von einer Ausnahme abgesehen alle Songs länger als fünf Minuten sind. Ihr bekommt also etwas für euer Geld! Das Album ist für mehr als faire 15€ erhältlich. Bezieht es einfach über die Homepage der Band. Tja, ein tolles Debüt und ich denke, die Band hat noch Potential nach oben hin. Mit diesem Album zeigen Lion Twin, wie vielschichtig sie sind - wobei man hier auch mahnend den Zeigefinger heben könnte und sagen könnte "Wer alles macht, macht nix richtig". Aber das ist hier nicht der Fall und daher...

... gibt es auf jeden Fall 5 von 6 Pommesgabeln!