Bewertung 5/6 Pommesgabeln
Genre Power Metal
Label Phonotraxx
Releasedatum 7. März 2014
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Dawn of Destiny - F.E.A.R.

15. August 2014, 22:46 - review, dawn-of-destiny, phonotraxx - geposted von DocDesastro

Liebe Schergen, heute geht es nach Bochum in NRW, wo sich im Jahre des Herrn 2005 die Band Dawn of Destiny zusammenfand. Mittlerweile liegt uns mit F.E.A.R. das fünfte Album der Band vor und wir sind gespannt, wie es sich anhört. Gelistet ist diese Combo bei Phonotraxx Records, dem Haus- und Eigenlabel der Band Axxis. Und wenn Bernhard und Co. dieser Band Potential bescheinigen, dann sind das ja wohl gute Referenzen.

Für alle, die sich näher mit dieser Band auseinandersetzen wollen, sei die offizielle Bandhomepage zu empfehlen.

Das aktuelle Lineup der Band besteht aus 4 Personen, wobei auffällt, dass sich für den Gesangspart zwei Personen die Arbeit teilen und es (momentan) keinen festen Drummer gibt, sondern dafür Ex-Soulstorm Drummer John Sagias (alias John S.) gewonnen werden konnte.

Aber lasst uns doch mal in medias res gehen, um zu sehen, was der Silberling taugt.


Review:

Thematisch geht es bei diesem Album um ein Mädchen, das nach einem Autounfall, den ihre Mutter verschuldet hat, an den Rollstuhl gefesselt ist. Der Titel F.E.A.R. steht für "Forgotten, Enslaved, Admired, Released". Dementsprechend erwartet den auf den Text achtenden Hörer ein tragisch-düsteres Grundthema.

Track 1, And with Silence comes the Fear beginnt auch gleich mit geflüstertem 'to live is to suffer' und besagtes Mädel liest einen Brief (an ihre Mutter?) vor. Sehr düster und traurig. Leicht doomig setzt dann die Band ein und leicht arabisch angehauchtes Wehklagen begleitet uns, bis die Band endlich schreddernd auf Arbeitsgeschwindigkeit kommt. Das Stück zeichnet sich durch Tempo- und Melodiewechsel aus und weist ein einprägsames Grundthema auf. Der Gesang ist hier besonders interessant. Weiblicher und männlicher Part wechseln sich ab und werden noch growlend unterstützt. Zeitgemäß und in modernem Gewand präsentiert sich das Stück fast progressiv, jedoch zu hart für letzteres. Ich kann mir diesen Track zwar nicht wirklich live auf einer Bühne auf Wacken vorstellen, aber zum Hören in den eigenen vier Wänden macht er definitiv Spaß.

Mit Waiting for a sign geht es weiter. Hier wird das Thema Angst und Verlassensein aufgegriffen. Ein psychotisch klingender Riff, der von dissonanten Breaks durchsetzt ist, spiegelt den Geisteszustand des ins Krankenhaus eingelieferten Mädchens gut wieder. Ein düsterer Track mit viel Atmosphäre. Auch hier sorgen Tempowechsel für Auflockerung und machen den Track interessant.

Weiter geht es mit My Memories. Energisch schraubt sich der Riff in unser Ohr. Dem energisch klingenden Motto klingt als Kontrapunkt Pianomusik entgegen und geht eine angenehm zu hörende Symbiose ein. Die Vocals in diesem Track sind atemberaubend.
Mittlerweile mutiert das Album zu einer Scheibe, die ich gerne in einem bequemen Sessel bei einem Glas gutem Rotwein genießen würde.

Schrill fiedelt die Violine und die Unschuld stirbt. Innocence killed heißt der nächste Track und beginnt wieder mit melancholischem Frauengesang. Thematik sind niemals heilende Wunden und das rabiate Ende der Kindheit. Ein wenig jazz-artig geht der Song mit einem gelungenen Pianopart und klagend verzerrten Gitarren weiter, bis er in harmonischem Zusammenspiel aller Instrumente der Band mündet. Der Track selbst ist fast hymnisch, aber ohne verspielt zu wirken. Eher wie eine Metal-Operette in angenehmen Tempo.

Also schreiten wir voran: End this Nightmare ist der nächste Track auf der Scheibe.
Kraftvoll unterlegt startet er mit mittlerer Geschwindigkeit, die aber mit Einsetzen des Pianos und dem vorzüglichen Gesang von Sängerin Jeanette Scherff gedrosselt wird. Der Song folgt dem Konzept des Albums sehr stringent.

Track 6 lautet No Hope for the Healing und startet ein wenig wie ein Requiem. Alle Hoffnung ist tot und das Thema verliert sich in Wahnsinn und Albträumen. Zielstrebig schiebt sich der Song vorwärts. Auch hier ist beim Gesang ein Gastmusiker am Werk. Jon Oliva (Savatage / Trans-Siberian Orchestra) gibt hier seine Stimme zum Besten. Ein Song wie ein Uhrwerk.

Dagegen klingt der Song Rising Angel schon fast fröhlich und hoffnungsvoll. Der Song hat eine erfrischende Geschwindigkeit und wartet mit abwechslungsreichen Gesangsparts auf. Ein Highlight auf dieser Scheibe und ja, DEN Track wiederum könnte ich mir auch live irgendwo gut vorstellen und Stimmung machen sehen.

Sechs Stücke haben wir noch und sind bislang gut unterhalten worden. Machen wir also weiter mit dem Song Finally. Ein wenig mutet das Intro nach Meat Loaf an, wenn auch in angenehmer Härte. Was die Band hier mit dem Gesang macht, ist echt toll. Beide Sänger wechseln sich harmonisch ab und stützen sich gegenseitig. Der Track klingt ebenfalls etwas hoffnungsvoller und heller als die Tracks zuvor. Die Geschwindigkeit liegt eher am oberen Ende für diese Scheibe und mutet nach einem echten Power-Metal-Track an.

Prayers heißt Track Nummer neun. Thematisch wären wir nun beim Thema Liebe und Hoffnung. Auch diese Thematik wurde musikalisch schlüssig und gut umgesetzt. Klingt fast schon poppig, der Track. Aber ok - bislang ziehen die ihr Ding konsequent durch.

Mit Then I found you geht es weiter. Auch hier beginnt der Track fröhlich mit lebhaften Pianoklängen und ein ich fühle mich hier ein wenig in die 80er zurückversetzt. Und der kleine Dämon in meinem Kopf flüstert mir zu "Guck, Meister, das hätten auch Meat Loaf sein können, was da klingt...hähähä". Trotzdem ganz gut geworden. Hoffen wir mal, dass es so fröhlich bleibt.

Oha, depressiv klingt die Akustikgitarre in One last Time. "The doctor said, I'm positive...Virus" nimmt mein Ohr wahr...Uh-Oh...
Haben wir hier noch die tragische HIV-Thematik ausgepackt? Über 9 Minuten wechselt die Stimmung von Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Wut und Einsamkeit hin und her. Dies ist die Klimax der ganzen Scheibe.

Vorletztes Stück. Dying in your arms heißt es und beginnt durchschnittlich schnell mit einem eingängigen Riff. Hier scheint sich wohl die Thematik des vorherigen Stücks zu erfüllen.
Kraftvoll geht der Track weiter und auch hier ist der Gesangspart lobend zu erwähnen.
Ein großes Finale für diese Scheibe.

To live is to suffer ist der Name des letzten Tracks. Ja, so könnte man das Gehörte gut zusammenfassen, aber nur thematisch. Praktisch beendet die Band die Scheibe mit einer Ballade. Gelungener Abschluss.


Tracks:

  1. And with Silence comes the Fear [5:38]
  2. Waiting for a Sign [3:23]
  3. My Memories [4:28]
  4. Innocence Killed [5:38]
  5. End This Nightmare [3:51]
  6. No Hope for the Healing [6:17]
  7. Rising Angel [4:34]
  8. Finally [4:35]
  9. Prayers [3:59]
  10. Then I found you [4:13]
  11. One last Time [9:59]
  12. Dying in your arms [3:42]
  13. To live is to Suffer [3:48]

Gesamtspielzeit: 1:04:05


Line-Up:

  • Jeanette Scherff (Gesang (Eve-Rolle))
  • Veith Offenbächer (Gitarre, Akustikgitarre)
  • Dirk Raczkiewicz (Keyboard, Synths)
  • Jens Faber (Bass, Gesang (Ben-Rolle), Klavier)

Gastmusiker:

  • Jon Oliva (Gesang (Torturer-Rolle) - Track 6)
  • John S. (Schlagzeug)
  • Hjördis Faber (Gesang (additional) - Track 1)
  • Mats Levén (Gesang (Father-Rolle) - Track 1)

Fazit:

Tja, was hatten wir hier denn? Also das erste, was mir hier sehr positiv aufgefallen ist, ist wie die Band mit dem Gesang umgeht. Das war unglaublich professionell und abwechslungsreich. Sowas wird selten so gut umgesetzt. Auch hat das Album mit über einer Stunde Spielzeit wirklich genug Stoff für das Geld, was man dafür hinlegt.

Und hier gehen Welten auseinander: Amazon verlangt satte 19;99€ für die Scheibe. Und das wäre auch gleichzeitig ein großer Kritikpunkt hier. Das ist eine Menge Holz für eine CD. Aber zum Glück gibt es ja da noch den Webshop, den Ihr auf der Homepage der Band finden könnt. Dort zahlt ihr nur 15,50€ incl. Versand - also sehr günstig. Daher: Augen auf beim Eierkauf!

Die CD ist ihr Geld wert, aber die Thematik ist nicht jedermanns Tasse Tee und wer hier ein typisches Power-Metal- oder gar Party-Album erwartet, könnte sogar enttäuscht sein. Daher gebe ich Euch den guten Rat, hört die Band Probe, erschließt das Gesamtwerk für euch und dann entscheidet euch, ob Ihr es kaufen wollt, bevor Ihr den guten alten Doc verflucht. Die Scheibe ist meiner Meinung nach definitiv ihr Geld wert aber thematisch und von der Art der Umsetzung nicht archetypisch, sodass ich keine Empfehlung der Art "Für Fans von XXX geeignet" aussprechen kann. Auch ist hier weniger ein 'Kracher' drin, der mich wirklich zum Headbangen eingeladen hat - der Geist wurde dafür aber umso mehr genährt.

Ich tue mich hier bei der Wertung des Gesamtpakets etwas schwer. Es ist definitiv keine Partyscheibe, sondern hier wurde ein dunkles, tragisches Schicksal musikalisch hochwertig umgesetzt. Ich kann mir vorstellen, dass sich dieses Album nicht jedem sofort erschließt und jeder sollte vorher wissen, was er da tut. Daher...

... gibt es auf jeden Fall 5 von 6 Pommesgabeln!